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Fallschirmbau Mertens
 

Fliegen an Berghängen, in Leewellen und über den Gipfeln

- Text/Bilder von Nina Heide -

Von 9. April bis 17. April fand das Gebirgsflugtraining des Dr. Angelika Machinek Fördervereins für Frauensegelflug (kurz: AMF) in Lesce Bled in Slowenien statt. Der Flugplatz des ALC Lesce-Bled mit Teerpiste, Hangar und Flugplatzrestaurant liegt von Österreich aus gesehen hinter den Karawanken und am Fuße des Triglav-Massivs.

Das Wetter meinte es gut mit uns und wir konnten an fast allen Tagen fliegen. Einen Flugtag sparten wir aus, da erst am späten Nachmittag auf Thermik zu hoffen war. Stattdessen nutzten wir diesen Tag für Wanderungen bzw. einen Ausflug nach Ljubljana.  Alle anderen Tage konnten wir fliegerisch voll ausnutzen und kamen in den Genuss von Thermik, Wellen und natürlich auch den zugehörigen Turbulenzen. So konnten auch die Gebirgsflugneulinge unter uns, die mit Trainer im Doppelsitzer die Berge erkunden durften, verschiedene Wetterlagen ausprobieren und jeden Tag viel Neues lernen.

Mit zwei Schleppmaschinen und der kompetenten Hilfe unserer Bodencrew, bei welcher ich mich im Namen aller Pilotinnen an dieser Stelle nochmals herzlichst bedanken möchte, kamen wir an jedem Flugtag schnell in die Luft.

Die beim morgendlichen Briefing gebildeten Teams konnten sich am von uns gekürten Haushang, ca. 3 km nördlich des Platzes und erkennbar an der kleinen Kapelle auf der Ostseite, zum gemeinsamen Abflug treffen. Wenn sich nach einigen Funksprüchen, die Teams zusammengefunden hatten, wurde zusammen abgeflogen. Im Team konnten wir uns austauschen und beispielsweise erproben, ob nun die dunklen Wolkenfetzen oder der Hang besser tragen oder welcher Flugweg unter welchen Wind- und Wolkenbedingungen weniger Höhenverlust oder sogar Höhengewinn bedeutet. Die Pilotinnen im Einsitzer konnten so ebenfalls von der Erfahrung des Trainers im Doppelsitzer profitieren und so manche Batterie brachte dies aufgrund der überdurchschnittlichen hohen Kommunikation an die Tiefentladegrenze.

Unsere Hauptflugroute führte vom Haushang über den Hochstuhl das Tal zum Wurzenpass hinunter, meist auf Höhe des Grates oder wenig darüber. Vom Wurzenpass flogen wir weiter zum Dobratsch bei Nötsch und das Gailtal entlang weiter bis nach Lienz. Lienz war aufgrund geschlossener Wolkendecke und teils auch leichtem Nieseln aus der nicht mehr allzu hohen Basis meist unser Wendepunkt und wir flogen wieder zurück in Richtung unseres temporären Heimatflugplatzes in Slowenien. Einige Pilotinnen schafften es auch über Lienz hinaus, was allerdings eher die Ausnahme als die Regel war. Falls Interesse an den genauen Flugrouten besteht: Fast alle Flüge haben es ins OLC geschafft und es ist kann davon ausgegangen werden, dass alle Damen, die in diesem Zeitraum in Lesce gestartet sind, mit dem AMF dort waren.

An drei Flugtagen hatten wir das Glück Süd-Ost-Strömung mit Wellenpotential zu bekommen, welches wir natürlich ausgiebig erprobt haben. Bereits über dem Tal des Flugplatzes bildete sich eine Welle aus, sodass im Hangflug bis an die Basis gestiegen werden und vom Hang weg gegen den Wind in die Welle eingeflogen werden konnte. Diese von Walter auch liebevoll als „Hausfrauenwelle“ bezeichnete Wolkenformation bot Gelegenheit für traumhafte Bilder und Hangflug entlang der Wolkenkanten.

Aber warum sollten wir uns mit einer Welle zufrieden geben, wenn es noch mehr gab? So konnte an einem Tag sogar bis zum Wurzenpass in der Welle geflogen werden. Und wäre das blaue Band nicht immer schmaler geworden, so wären wir der Welle noch weiter gefolgt. Weitere Wellensysteme konnten über dem Gailtal, dem Tal von Klagenfurt und am Triglav-Massiv erflogen werden. Die zu den Wellen gehörigen Rotoren blieben uns folglich auch nicht erspart und auch die Pilotinnen, die zum ersten Mal in den Alpen flogen, können nun definitiv von keiner Turbulenz im Flachland mehr aus der Ruhe gebracht werden.

Sehr schön war auch, dass man bis abends fliegen konnte und es auch möglich ist abends um 18 Uhr lokal noch einen Bart mit vier Metern integriert „auszukurbeln“ - das gibt es bei uns im Flachland dann doch eher selten. Wäre die Sonne nicht irgendwann untergegangen, wären viele vermutlich noch bis spätabends im Hangwind weitergeflogen.

Insgesamt konnte jede von uns im Rahmen des Gebirgsflugtrainings an sechs Flugtagen mindestens 15 Flugstunden unter Anleitung eines Trainers im Gebirge sammeln. Mit drei Duo Discus‘ – dem BW1 und dem BW4 des Fördervereins für Strecken- und Wettbewerbssegelflug Baden-Württemberg sowie dem Duo Discus der Segelfliegergemeinschaft Backnang – und dem Arcus des Luftsport-Verbandes Bayern hatten wir vier Doppelsitzer dabei, welche am ersten Flugtag für Einweisungsflüge und an den weiteren Flugtagen für die Gebirgsflugneulinge zur Verfügung standen. Bei den Vereinen, die uns die Doppelsitzer zur Verfügung gestellt haben möchte ich mich im Namen der Pilotinnen bedanken! Die Doppelsitzer ermöglichten den Pilotinnen eine sichere und detaillierte Einführung ins Fliegen im Gebirge mit einem Trainer, der immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Ergänzt wurde unser Flugzeugpark durch zwei weitere private Doppelsitzer und neun Einsitzer, sodass wir den Großteil der in Lesce abhebenden Flugzeuge stellten.

Dass Fliegen in den Alpen landschaftlich das Größte an fliegerischem Erlebnis ist, wird jeder bestätigen, der schon dort geflogen ist. Über schneeweißen Bergflanken entlanggleiten passt exzellent zum Motto des AMF: „Es ist grenzenloses Glück, die Welt von oben sehen zu dürfen.“

In diesem Sinne möchte ich mich – und ich denke auch hier spreche ich im Namen aller Pilotinnen, die dabei sein durften, – nochmals bei unseren Trainern bedanken, die keine Mühe scheuten uns im Ein- oder Doppelsitzer durch die Berge zu begleiten: Walter Eisele, Albert Kießling, Hans Obermayer, Veit Layer sowie Ute und Axel Baranowski!

Ihr habt das Training geplant, Flugzeuge organsiert, den Weg (mit Hänger) nach Slowenien auf euch genommen und eure Freizeit gespendet, um uns das Gebirgsfliegen näher zu bringen. Das war einfach klasse!

Wir konnten viel über das Fliegen in den Bergen lernen, einiges für das Fliegen zuhause im Flachland mitnehmen und hatten dazu noch viel Spaß dabei. Und natürlich würden wir uns alle freuen, wenn wir im nächsten Jahr wieder mit euch zusammen die Berge erkunden können.

An dieser Stelle möchte ich alle Nachwuchs-Pilotinnen, die Interesse haben das Fliegen in den Bergen kennenzulernen, einladen sich auf der Homepage des AMF über das nächste Training, welches voraussichtlich im April 2017 stattfinden wird, zu informieren und sich zahlreich anzumelden. Ich selbst war dieses Jahr das erste Mal dabei und kann das Training nur weiterempfehlen!

 
 
www.am-foerderverein.de  
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